check-circle Created with Sketch. Transkript anzeigen Abspielen Pausieren

Kinderschutzkonzept

Kolleg:innen der LWL-Klinik Dortmund Elisabeth-Klinik haben vor kurzem ein neues Kinderschutz-Konzept entwickelt. Wie dieses inhaltlich aussieht und warum Kinderschutz ein so wichtiges Thema ist, erklären Chefärztin Alina Pimenov und Qualitätsmanagementbeauftragter Tobias Falke im Interview.

Welche Bedeutung hat das Thema Kinderschutz in einer Einrichtung wie der LWL-Klinik Dortmund Elisabeth-Klinik?

Tobias Falke: Das Thema Kinderschutz ist für uns als Klinik sehr wichtig, da wir eine große Verantwortung gegenüber unseren Patient:innen haben. Die Kinder und Jugendlichen vertrauen sich uns an, daher ist es unsere Aufgabe, ein sicheres Umfeld für sie zu schaffen.

Alina Pimenov: Generell lässt sich beobachten, dass das Thema Kinderschutz in allen Bereichen der Gesellschaft immer mehr Beachtung findet. Wir brauchen verlässliche Strukturen – im Fußballverein, in der Schule, in Jugendvereinen, eben überall da, wo Kinder und Jugendliche betreut werden, also auch in unserer Klinik. Daher ist es unerlässlich, dass wir uns damit intensiv auseinandersetzen.

Welcher Gedanke steckt hinter dem neuen Kinderschutzkonzept?

Tobias Falke: Das Ziel, das wir mit dem Konzept verfolgen, lässt sich ganz einfach formulieren: Wir möchten unsere Patient:innen bestmöglich schützen. Zum einen geht es darum, dass die Kinder und Jugendlichen bei uns kompetente Ansprechpartner:innen haben, wenn sie in ihrem persönlichen Umfeld bedrohliche Situationen erlebt haben. Zum anderen möchten wir gewährleisten, dass sie sich in unserer Klinik zu jeder Zeit sicher fühlen können.

Wie sind Sie bei der Entwicklung des Konzeptes vorgegangen?

Alina Pimenov: Seitens unseres Trägers, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, gab es bereits ein Schutzkonzept, dass klinikübergreifend entwickelt worden ist. Dieses Konzept diente uns als Basis. Wir bildeten eine klinikinterne Arbeitsgruppe, mit Kolleg:innen aus unterschiedlichen Bereichen, um möglichst viele Perspektiven berücksichtigen zu können.

Tobias Falke: Gemeinsam haben wir dann eine Risikoanalyse gemacht und geschaut: In welchen Situationen könnten sich Patient:innen oder auch Mitarbeiter:innen unsicher oder unwohl fühlen? Wo gibt es Optimierungsmöglichkeiten in den Prozessen und Strukturen? In diese Überlegungen haben wir sowohl Patient:innen als auch Kolleg:innen mit einbezogen.

Welche Maßnahmen beinhaltet das Kinderschutzkonzept?

Alina Pimenov: Bereits bei der Anstellung von neuen Mitarbeiter:innen spielt das Thema Kinderschutz eine große Rolle. Vor der Einstellung muss beispielsweise ein erweitertes Führungszeugnis vorliegen. Zudem ist es wichtig, dass wir alle neuen Kolleg:innen umfassend über unseren Verhaltenskodex informieren. 

Tobias Falke: In dem Konzept geht es um sämtliche klinikinterne Prozesse, es geht um Prävention und Intervention. Wie können wir gewährleisten, dass Patient:innen sich bei körperlichen Untersuchungen nicht unwohl fühlen? Wie können wir das Beschwerdeverfahren für Kinder, Jugendliche und ihre Angehörigen weiter optimieren? Wie können wir dafür sorgen, dass auch die Kolleg:innen sich sicher im Umgang mit der Thematik fühlen? Ein wichtiger Bestandteil des Schutzkonzeptes ist außerdem die Partizipation der Kinder und Jugendlichen.

Was meinen Sie mit Partizipation der Kinder und Jugendlichen?

Tobias Falke: Es ist uns wichtig, dass wir die Patient:innen an Entscheidungen beteiligen, die ihren Aufenthalt bei uns in der Klinik betreffen. Auf den Therapiestationen für Jugendliche besteht beispielsweise eine Jugendkomission mit einem Jugendgruppensprecher, der als Bindeglied zwischen Mitarbeitenden und Jugendlichen steht. Alle Patient:innen haben Zugang zu Beschwerdemöglichkeiten. Außerdem haben wir ausgebildete Präventionsfachkräfte, an die sich die Kinder und Jugendlichen jederzeit gezielt wenden können.

Wie wird das Konzept nun in den Klinikalltag integriert?

Alina Pimenov: Bei dem Umgang mit dem Thema Kinderschutz handelt es sich um einen dynamischen Prozess. Wir sammeln kontinuierlich Erfahrungen und müssen dann schauen, was wir weiter verändern können. Erst einmal ist es wichtig, das Konzept zu kommunizieren, alle Kolleg:innen damit vertraut zu machen. Dazu suchen wir, beziehungsweise auch die Präventionsfachkräfte regelmäßig das Gespräch mit den Teams, um das Thema nachhaltig im Klinikalltag zu verankern, Fragen zu klären, Anregungen einzuholen. Ein offener, transparenter Umgang ist ganz entscheidend.